Alfred Gehri
Geboren am 28.3.1895 in Morges, verstorben am 8.1.1972 in Morges, ref., von Seedorf (BE) und ab 1956 von Morges (1966 Ehrenbürger). Sohn des Jacob, Metzgers, und der Louise-Jenny geb. André.
Verheiratet mit 1) Alice Berthola, franz. Schauspielerin und 2) Olga Nosoff.
Nachbar und Freund von René Morax. 1929-32 Leiter der Compagnie Pitoëff. Autor von Drehbüchern und mehr als 30 Boulevardstücken. "Une bonne soirée" (1936, Stück in einem Akt, 1942 unter dem Titel "Les Amis terribles" auf drei Akte erweitert) wurde mehr als 10'000 Mal gespielt. "Sixième étage" (1937, weitergeführt 1945 mit "Les Nouveaux" und 1955 mit "Les Derniers du sixième étage") wurde in 25 Sprachen übersetzt und mehr als 15'000 Mal aufgeführt. Einen weiteren Erfolg feierte G. mit "Le Bureau central des idées".
Ab 1944 Mitglied der Société des auteurs et compositeurs dramatiques (1967 Goldmedaille). 1947 Ritter der Ehrenlegion.
Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Alfred Gehri ist eine interessante, heute allerdings weitgehend vergessene Figur der französischsprachigen Schweizer Theatergeschichte. Bei näherer Betrachtung war er deutlich mehr als nur der Autor von Sixième Etage (Im sechsten Stock).
Alfred Gehri – Leben und Werdegang
Alfred Gehri wurde am 28. März 1895 in Morges (Kanton Waadt) geboren und starb dort am 8. Januar 1972. Das Schweizerische Literaturarchiv führt ihn ausdrücklich als Dramatiker und Filmemacher.
Seine entscheidenden beruflichen Jahre verbrachte er in Paris. Zwischen den beiden Weltkriegen lebte er dort und war eng mit dem berühmten Theatermacher Georges Pitoëff verbunden. Gehri arbeitete zeitweise als dessen Sekretär und Administrator. Dadurch war er unmittelbar in das Pariser Theaterleben jener Zeit eingebunden.
Das ist für die Entstehung von Sixième Etage durchaus wichtig: Gehri kannte das französische Theater nicht nur als Schriftsteller, sondern aus der praktischen Theaterarbeit heraus.
Schriftsteller und Dramatiker
Gehri begann zunächst vor allem mit Einaktern. Er schrieb später rund 30 bis 40 Theaterstücke. Zu seinen früheren Stücken gehören beispielsweise:
• Le Mariage des frères siamois (1925)
• Deux vieux amis (1931)
• Le Bureau central des idées (1937)
• Sixième étage (1937)
• Entre chien et loup (1941)
• Un illustre inconnu (um 1940)
Dass sein Nachlass im Schweizerischen Literaturarchiv mehrere Originalmanuskripte enthält, ist besonders interessant: Dort befindet sich beispielsweise das autographe Manuskript von Sixième étage aus dem Jahr 1937, zusammen mit Zeitungsartikeln, Fotografien und einer biografischen Notiz zur Entstehung und zum Erfolg des Stücks.
Sein grosser Erfolg: Sixième étage
Mit Sixième étage gelang Gehri 1937 der grosse Durchbruch. Die Uraufführung fand am 28. Oktober 1937 im Théâtre des Arts in Paris statt.
Das Stück wurde zu einem internationalen Erfolg. Das Schweizerische Literaturarchiv schreibt, dass es in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Eine zeitgenössischere Rückschau nennt sogar rund 20'000 Aufführungen in 40 Ländern bis 1972 sowie zahlreiche Radio- und Fernsehproduktionen.
Damit gehört Im sechsten Stock zu den bemerkenswertesten internationalen Theatererfolgen eines Schweizer Autors seiner Generation.
Gehri und der Film
Gehri interessierte sich auch stark für das damals noch junge Medium Film.
Von 1919 bis 1929 war er Redaktor der „Revue suisse du cinéma“. 1923 schrieb er ausserdem das Drehbuch für Le Satyre du Bois-Gentil und führte dabei auch Regie.
Seine Theaterstücke wurden später ebenfalls verfilmt bzw. für Fernsehen und Radio adaptiert. Gerade Im sechsten Stock wurde mehrfach für das Fernsehen produziert; unter anderem entstanden deutsche Fernsehfassungen 1954/55, 1959 und 1961.
Ein bemerkenswerter Aspekt: Gehri schrieb Fortsetzungen
Der Erfolg von Im sechsten Stock war so gross, dass Gehri die Geschichte weiterführte:
• Sixième étage – 1937
• Les Nouveaux du sixième étage
• Les Derniers du sixième étage – 1956
Das Schweizerische Literaturarchiv bezeichnet diese Fortsetzungen ausdrücklich als Reaktion auf den aussergewöhnlichen Erfolg des ersten Stücks. Gehri verarbeitete seine Erfahrungen mit dem Stück später sogar in einem Buch mit dem Titel ** Le Roman d'une pièce ** – also gewissermassen der „Roman eines Theaterstücks“.
Auszeichnung
Für Im sechsten Stock erhielt Alfred Gehri 1939 den Schweizer Literaturpreis Welti-Preis.
Einordnung
Besonders interessant ist bei Alfred Gehri die Verbindung von Schweizer Herkunft und französischer Kulturwelt:
Morges → Paris → Pariser Theater → internationaler Bühnenerfolg → Rückkehr in die Westschweiz.
Er war also ein Schweizer Autor, dessen wichtigstes Werk vollständig in der französischen Theaterwelt verankert war. Eine neuere Darstellung der Geschichte des Schweizer Theaters bezeichnet Gehri für die 1930er- und 1940er-Jahre sogar als den besonders erfolgreichen Vertreter jener Richtung, die sich am französischen Boulevardtheater orientierte.
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